Geschosswohnungsbau mit Holz

24. Juni 2026
Magazin

Wohnungsbau mit Holz: Warum der mehrgeschossige Holzbau immer wichtiger wird

Wer heute über zukunftsfähigen Wohnraum spricht, kommt am Holzbau kaum vorbei. Der Baustoff beantwortet nicht nur ökologische Fragen, sondern auch die praktische Herausforderung, dringend benötigten Wohnraum schnell und effizient zu schaffen.

Der Wohnungsbau mit Holz entwickelt sich zunehmend zu einer ernstzunehmenden Antwort auf zentrale Herausforderungen der Bauwirtschaft. In Zeiten von Wohnungsknappheit, steigenden Baukosten und strengeren Klimazielen rückt der nachwachsende Baustoff stärker in den Fokus von Planern, Architekten, Investoren und Kommunen. Denn einerseits fehlt es vielerorts an bezahlbarem Wohnraum, andererseits müssen Neubauten deutlich klimafreundlicher werden.

Der Wohnraumbedarf in Deutschland ist enorm. In Deutschland fehlen nach Einschätzung einer neuen Studie des Pestel-Instituts immer noch knapp 1,4 Millionen Wohnungen.1 Strebte die Ampel-Koalition noch den Neubau von jährlich 400.000 neuen Wohnungen an – diese Zielvorgabe wurde allerdings regelmäßig verfehlt – will sich die derzeitige Regierung lieber gar nicht erst auf konkrete Zahlen festlegen. Aufgrund der Wohnungsbaukrise wurden in den letzten Jahren nur knapp 200.000 bis 300.000 Einheiten pro Jahr fertiggestellt. Im vergangenen Jahr 2025 kamen gerade einmal 206.600 neue Wohnungen hinzu.2 Das ist der niedrigste Wert seit 2012.

Aktuell beziffert das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in seiner Wohnungsbedarfsprognose den Neubaubedarf auf jährlich rund 320.000 Wohneinheiten bis zum Jahr 2030.3 Gleichzeitig soll der Gebäudesektor seine Emissionen bis 2030 deutlich senken. Genau in dieser Gemengelage gewinnt der Holzbau an Bedeutung. Die Holzbauweise verbindet kurze Bauzeiten mit einem vergleichsweise geringen Ressourcenverbrauch, senkt CO2-Emissionen im Bausektor und eröffnet neue Möglichkeiten für die urbane Stadtentwicklung.

Holzbau als Antwort auf den Wohnraummangel

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum zählt zu den größten städtebaulichen und sozialen Problemen der Gegenwart. Besonders in Ballungsräumen ist die Nachfrage nach Wohnungen deutlich höher als das verfügbare Angebot. In den Großstädten löst der umkämpfte Wohnungsmarkt zunehmende Verteilungskonflikte aus. Die Knappheit treibt die Mieten in Rekordhöhen, sodass bezahlbarer Wohnraum nicht mehr nur ein Problem für Geringverdiener ist. Mit einem Neubaubedarf von rund 60.000 Wohneinheiten pro Jahr bis 2030 machen die sieben größten deutschen Städte rund 20 Prozent des Gesamtbedarfs aus.4 Zugleich steigen die Anforderungen an Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Klassische Bauweisen stoßen dabei zunehmend an Grenzen, der Holzbau wird für Bauträger und Bauherrn dagegen immer attraktiver.

Der moderne Holzbau bietet einen pragmatischen und wirtschaftlich konkurrenzfähigen Ansatz. Holzbauprojekte profitieren in der Regel davon, dass Planung, Produktion und Montage eng aufeinander abgestimmt werden können. Durch hohe Vorfertigung lassen sich Bauprojekte deutlich schneller realisieren als mit vielen konventionellen Verfahren. Bauteile wie Wand-, Decken- oder Dachelemente entstehen unter kontrollierten Bedingungen im Werk und werden anschließend auf der Baustelle montiert. Das verkürzt nicht nur die Bauzeit, sondern reduziert auch viele wetter- und bauablaufbedingte Unsicherheiten sowie Störungen im nachbarschaftlichen Umfeld. Zudem wird die Ausführungsqualität gesteigert und die terminliche Planung erleichtert. Für den Wohnungsbau ist das besonders relevant. Je schneller ein Gebäude bezugsfertig ist, desto früher kann es zur Entlastung des Marktes beitragen. Aus diesem Grund entscheiden sich auch immer mehr Bauherren, kommunale Wohnungsunternehmen, Investoren und Bauträger für die Holzbauweise, denn eine schnelle Realisierung des Bauvorhabens verkürzt die Zeitspanne bis zu den ersten Mieteinnahmen und senkt Begleitkosten, etwa für die Finanzierung oder die Baustellenlogistik.

Hinzu kommt, dass sich die Holzbauweise gut für modulare und flexible Wohnkonzepte eignet. So lassen sich unterschiedliche Wohnformen, Grundrisse und Gebäudetypen effizient umsetzen und Wohnflächen und Wohnungsgrößen auch später noch an veränderte Anforderungen anpassen. Wertvoll ist das vor allem im mehrgeschossigen Wohnungsbau, weil Gebäude durch leicht realisierbare Grundrissänderungen länger nutzbar und somit wertbeständiger bleiben.

Fertigung von Wandelementen
Wandelemente im Holzbauwerk

Mehrgeschossiger Wohnungsbau aus Holz gewinnt an Bedeutung

Lange Zeit galt Holz vor allem als Baustoff für Einfamilienhäuser oder kleinere Bauvorhaben. Diese Sicht hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Inzwischen werden auch größere Wohngebäude, Nachverdichtungsprojekte und ganze Quartiere in Holz- oder Holzhybridbauweise realisiert. Eine Studie der Hochschule Rottenburg aus dem Jahr 2022 erfasste europaweit 118 großvolumige Wohnungsbauprojekte in Holz- oder Holzhybridbauweise, davon allein 47 in Deutschland.5 In den meisten Bundesländern sind Holzbauten heute bis zur Hochhausgrenze von 22 Metern (Gebäudeklasse 5) zugelassen. Auch in Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen ermöglichen die Landesbauordnungen fünf- und siebengeschossige Wohnhäuser aus Holz, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.

Gerade im mehrgeschossigen Wohnungsbau hat sich Holz als technisch leistungsfähiger Baustoff etabliert. Moderne Konstruktionsweisen erfüllen hohe Anforderungen an Statik, Schallschutz und Brandschutz. Das macht den Einsatz der Holzbauweise im Geschosswohnungsbau auch dort möglich, wo früher herkömmliche Baumaterialien als unverzichtbar galten. Entscheidend ist dabei die richtige Kombination aus Material, Konstruktion und Planung. Verschiedene Holzbauweisen wie der Holzrahmenbau oder der Holzmassivbau bzw. die Brettschichtholzbauweise kommen dabei zum Einsatz. Je nach Projektanforderung können auch verschiedene Holzbauweisen kombiniert werden. Dadurch ermöglicht der Holzbau flexible architektonische Lösungen.

Beim mehrgeschossigen Wohnungsbau ist außerdem die Holzhybridbauweise besonders verbreitet. Hier wird die Holzbauweise mit Beton oder Stahl kombiniert, um die Vorteile der einzelnen Baustoffe und deren Materialeigenschaften zu verbinden. Während Holz für Leichtigkeit, schnelle Montage und ökologische Vorteile steht, übernehmen andere Materialien dort Aufgaben, wo hohe Masse, erhöhte Brandschutzvorgaben oder besondere konstruktive Eigenschaften gefragt sind. Auf diese Weise entstehen wirtschaftliche und nachhaltige Gebäude mit hoher Nutzungsqualität.

Typische Kombinationen beim Holzhybridbau sind:

  • Betonkern mit Holzdecken und Holzwänden
  • mineralisches Sockelgeschoss mit Holzaufbau
  • Stahltragwerke kombiniert mit Holzelementen
Geschosswohnungsbau mit Holz
Treppeneinbau bei einem mehrgeschossigen Holzbau

Nachhaltigkeit beim Wohnungsbau mit Holz

Ein zentraler Vorteil des Holzbaus liegt in seiner Klimawirkung. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und entzieht während seines Wachstums der Atmosphäre Kohlendioxid. Der darin enthaltende Kohlenstoff wird im Holz gespeichert. Wird Holz als Baustoff eingesetzt, bleibt der klimaschädliche Kohlenstoffanteil über viele Jahre gebunden. Als Kohlenstoffspeicher kann Holz so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Zudem ist die Produktion von Holzbauelementen verhältnismäßig energiearm. Im Vergleich zu extrem energieintensiven Baustoffen wie Beton oder Zement trägt die Holzbauweise zur Reduktion der sogenannten grauen Emissionen bei, also jener Emissionen, die bereits bei der Herstellung eines Gebäudes entstehen.
Die günstige Umweltbilanz der Holzbauweise wird nochmals verbessert, wenn das Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt und regional verarbeitet wird. Kurze Transportwege, effiziente Fertigungsschritte und ein geringerer Materialeinsatz verstärken den ökologischen Vorteil zusätzlich.

Auch im Sinne der Kreislaufwirtschaft bietet der Holzbau enorme Chancen. Viele Bauteile lassen sich später rückbauen, wiederverwenden oder stofflich verwerten. Damit passt der Holzbau gut zu einem Verständnis von Bauen, das nicht nur auf die Errichtung, sondern ganzheitlich auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes blickt.6

Wohnungsbau mit Holz: Architektur und Wohnqualität

Neben ökologischen und wirtschaftlichen Argumenten spielt auch die architektonische Qualität eine wichtige Rolle. Holz vermittelt Wärme, Natürlichkeit und Wertigkeit. Gerade im Wohnungsbau kann das gemeinsam mit dem typisch angenehmen Wohnraumklima in Holzgebäuden zu einer besonders hohen Aufenthaltsqualität beitragen. Sichtbare Holzoberflächen, helle Innenräume und eine klare Materialästhetik wirken oft wohnlich und zeitgemäß zugleich. Holzbauten können sich jedoch auch jedem anderen Architekturwunsch anpassen, beispielsweise sind verputzte Wände und Fassaden keine Seltenheit und problemlos realisierbar.
Architektonisch sind dem Holzbau heute kaum Grenzen gesetzt. Vom kompakten Stadthaus bis zum mehrgeschossigen Wohnkomplex sind unterschiedliche Gebäudetypologien möglich. Dadurch eignet sich der Holzbau nicht nur für standardisierte Wohnformen, sondern auch für hochwertige, identitätsstiftende Architektur.

Architektonische Planung mit Holzbaukompetenz

Will man die Potenziale des Holzbaus voll ausschöpfen, empfiehlt sich eine frühzeitige Einbindung eines Holzbauplaners bzw. Holzbauexperten in den Planungsprozess. Gerade bei großen Holzbauprojekten ist eine Beachtung der Spezifika des Holzbaus wichtig. Aufgrund der hohen Vorfertigungstiefe sollte bereits in der Vorplanungs- und Entwurfsphase die spätere Ausführung als Holzbau beachtet werden – vor allem im Hinblick auf die Konstruktionsweise und die Produktion vorgefertigter Elemente. Im Gegensatz zur konventionellen Baupraxis verlangt dies von Planern und Architekten eine frühe, mitunter ungewohnte Beschäftigung mit dem gesamten Bauprozess und eine holzbaugerechte Optimierung der Entwürfe. Ein früher Einstieg von „Holzbaukompetenz“7 in das Planungsteam richtet den Planungsprozess rechtzeitig auf die Anforderungen des Holzbaus aus und verhindert so die Erstellung von architektonischen Entwürfen, die nicht fertigungs- bzw. holzbaugerecht ohne kostspielige Änderungen ausführbar sind.

Mehrgeschossiger Wohnungsbau mit Holzbauweise

Wohnungsbau aus Holz in Hamburg

Wie eine gelungene Kooperation zwischen Architekten und ausführenden Holzbaubetrieb aussehen kann, zeigt ein Wohnungsbau aus Holz in Hamburg-Bramfeld, der kürzlich von Kahrs Holz & Bau realisiert wurde. Auf einem ehemaligen Garagenhof sind bei diesem Nachverdichtungsprojekt XXXX Wohneinheiten als Holzbau entstanden.

Das Hamburger Architekturbüro Meyer Terhorst Architekten war als Entwurfsverfasser auch für die Genehmigungsplanung und für die Ausbaugewerke verantwortlich. Schon im Vorfeld wurde Kahrs Holz & Bau als Berater in Hinblick auf den Holzbau hinzugezogen, wodurch gemeinsam mit den Architekten ein Logistikplan entwickelt werden konnte. In der Prüfphase wurden von Kahrs Holz & Bau alle Prüfschritte (Standsicherheit, Brandschutz, Bauphysik, Ausführungsqualität) mit dem Prüfstatiker geklärt und die Details entwickelt. Die Bauleitung für den Holzbau übernahm Kahrs Holz & Bau und so konnte in kurzer Zeit der Baukörper mitsamt Fenster, Dach und Fassade sowie der Trockenbau bis zum Estrich umgesetzt werden.

Aufgrund des reibungslosen Ablaufs und der erfolgreichen Projektumsetzung wird momentan in gleicher Konstellation eine Aufstockung mit vier Wohneinheiten in der Gebäudeklasse 5 in Hamburg-Uhlenhorst geplant. Auch bei diesem Projekt von Meyer Terhorst Architekten handelt es sich um ein typisches, urbanes Nachverdichtungsprojekt, das zur Schaffung von Wohnraum in Holzbauweise beiträgt.

Wohnungsbau in Holzbauweise in Hamburg

Herausforderungen und Entwicklungspotenziale beim nachhaltigen Wohnungsbau

Trotz aller Vorteile gibt es beim Wohnungsbau mit Holz weiterhin Herausforderungen. Dazu gehören unter anderem komplizierte Bauordnungen, langwierige Genehmigungsverfahren und teilweise noch bestehende Vorbehalte von Architekten und Bauherren gegenüber dem Material. Außerdem ist der reine Holzbau nicht in jeder Situation automatisch die beste Lösung. Je nach Gebäudehöhe, Nutzung und Standort kann eine Holzhybridbauweise wirtschaftlich und technisch sinnvoller sein. Entscheidend ist die richtige Planung, eine frühzeitige Abstimmung aller Beteiligten und ein passendes konstruktives Konzept. Wo diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Holzbau seine Stärken besonders gut ausspielen.
Die Entwicklung zeigt klar in eine Richtung: Der Anteil des Holzbaus im Wohnungsbau wird weiter steigen. Technische Standards verbessern sich, Erfahrungswerte nehmen zu und die Nachfrage nach nachhaltigen Wohnlösungen mit guter Umweltbilanz wächst. Gerade im mehrgeschossigen Wohnungsbau bietet Holz eine überzeugende Kombination aus Tempo, Qualität, Klimaschutz und architektonischer Freiheit. Damit wird Holz nicht nur zu einer Alternative, sondern immer häufiger zu einer selbstverständlichen Option und zu einem zentralen Baustein im modernen Wohnungsbau.

  1. Vgl. Sozialer Wohn-Monitor 2026. Wohnungsmarktsituation, Wohnungsbedarfe, sozialer Wohnungsbau. Beauftragt vom Verbändebündnis „Soziales Wohnen“, erstellt durch Pestel Institut GmbH. https://mieterbund.de/app/uploads/2026/01/Sozialer-Wohnmonitor-2026.pdf
  2. Vgl. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_174_31121.html
  3. Vgl. https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/startseite/topmeldungen/wohnungsbedarfsprognose.html
  4. Müther, Anna Maria; Waltersbacher, Matthias, 2025: Zentrale Ergebnisse der BBSR-Wohnungsbedarfsprognose. Neubaubedarfe in Deutschland bis 2030. BBSR-Analysen KOMPAKT 05/2025, Bonn. S. 5 https://doi.org/10.58007/kxyg-cm28 oder https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/analysen-kompakt/2025/ak-05-2025-dl.pdf?__blob=publicationFile&v=2
  5. Vgl. HolzWohnBau-Studie (HWB): Siedlungen und Stadtquartiere in Deutschland im Vergleich zu den europäischen Nachbarländern: Standards, Baukosten und Umsetzungsempfehlungen https://hwb.sdg21.eu, https://www.hs-rottenburg.net/aktuelles/aktuelle-meldungen/meldungen/aktuell/2022/holzwohnbau-studie/
  6. Vgl. Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. und Building Performance Institute Europe – BPIE (Hrsg.): Lebenszyklusbasierte Betrachtung von Gebäuden: Eine Analyse von 28 Wohngebäuden zu Klimawirkungen und Kosten, 2025. https://wohnungswirtschaft-heute.de/wp-content/uploads/2025/05/dgnb-kurzstudie-lebenszyklusperspektive-klimawirkungen-und-kosten.pdf
  7. Kaufmann, H.; Huß. W.; Schuster, S.; Stieglmeier M.; (2017): LeanWOOD: Optimierte Planungsprozesse für Gebäude in vorgefertigter Holzbauweise. https://www.arc.ed.tum.de/fileadmin/w00cgv/holz/leanWood/leanWOOD-Broschuere.pdf