8. März 2026
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Holzrahmenbau im Überblick: Konstruktion, Vorteile, Ökologie und Energieeffizienz
Durch die Kombination aus natürlichen Baumaterialien, hoher Dämmwirkung und werkseitiger Vorfertigung ermöglicht der Holzrahmenbau energieeffiziente Gebäude mit niedrigen Betriebskosten und kurzen Bauzeiten. Damit bietet diese Bauweise entscheidende Vorteile in den Bereichen Bautempo, Ökologie und Wohnkomfort.
Der Holzrahmenbau ist als Konstruktionsweise untrennbar mit der Renaissance und Popularität des Holzbaus im Bauwesen verbunden. Die vielen Vorteile des Holzrahmenbaus haben dazu geführt, dass diese Bauweise heute zur beliebtesten Form im Bereich des modernen Gebäudebaus mit Holz geworden ist. Aufgrund seiner hohen Flexibilität und der vielfältigen Gestaltungsoptionen ist der Holzrahmenbau vielseitig einsetzbar. Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, Anbauten und Aufstockungen, Gewerbebauten, Hallen oder Schulen, Kitas oder mehrgeschossige Wohngebäude werden heute überwiegend in Holzrahmenbauweise gebaut.
Im Vergleich zu traditionellen Bauweisen bietet der Holzrahmenbau eine bemerkenswerte Energieeffizienz, kürzere Bauzeiten und einen besonders nachhaltigen Materialeinsatz. Durch den Einsatz von Holz als Hauptbaustoff überzeugt der Holzrahmenbau mit einer hervorragenden Ökobilanz und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Bausektor.
Definition des Holzrahmenbaus
Beim Holzrahmenbau werden tragende Holzständer durch beidseitige Beplankungen aus Holzwerkstoffplatten stabilisiert bzw. zur Lastabtragung ausgesteift. Die Zwischenräume, auch Gefache genannt, werden vollständig mit natürlichen Dämmstoffen gefüllt. Diese Kombination sorgt für eine hohe Stabilität und sehr gute Wärmedämmwerte und bildet das Grundgerüst für einen effizienten und mehrschichtigen Wandaufbau.
Ein großer Vorteil des mehrschichtigen Wandaufbaus beim Holzrahmenbau ist es, dass die Dämmung bereits in der Wandebene liegt. Dadurch kommt diese Holzbauweise mit schmalen, hochwärmegedämmten Wandstärken aus, was zu einem Flächengewinn in den Innenräumen führt. Diese grundlegende Konstruktionsweise wird bei allen Wand-, Decken- und Dachelementen angewendet und erzeugt eine luftdichte und dennoch diffusionsoffene Gebäudehülle. Dies ist entscheidend für ein angenehmes und gesundheitsförderndes Wohnklima.

Konstruktionsprinzip des Wandaufbaus beim Holzrahmenbau
- Tragwerk aus senkrechten Ständern und horizontalen Rahmen aus Konstruktionsvollholz (KVH)
- Aussteifung durch Holzwerkstoffplatten, z.B. OSB-Platten
- Luftdichte Ebene durch Dampfbremse (OSB-Platte)
- Vollständige Dämmung der Gefache (Hohlräume zwischen der Innen- und Außenbeplankung) mit Holzfaser oder Zellulose
- Zur Schließung der Gefache werden auf der Außenseite Holzweichfaserplatten befestigt
- Trockenbauweise mit hoher Präzision durch Vorfertigung im Werk
Wandaufbau des Holzrahmenbaus im Detail
Beim modernen und ökologischen Holzrahmenbau besteht der Wandaufbau aus verschiedenen Schichten, die zur Stabilität, Schall- und Wärmedämmung sowie zur Lebensdauer des Gebäudes beitragen. Die Kombination aus Tragwerk, Dämmung und luftdichter Ebene bildet die Grundlage für eine energieeffiziente Gebäudehülle. Eine dampfdiffusionsoffene Konstruktionsweise sorgt zudem für ein angenehmes und ausgeglichenes Raumklima.
Schichtenfolge des Wandaufbaus bei Kahrs Holz & Bau:
- Innenbekleidung: Gipskartonplatte, 12,5 mm
- Holzwerkstoff-OSB-Platte (auf Wunsch substituierbar) mit aussteifender Funktion, 12 mm
- Installationsebene: Holzlattung für Leitungen, optional mit zusätzlicher Holzflex-Dämmung, 60 mm
- Holzwerkstoff-OSB-Platte (auf Wunsch substituierbar) als Dampfbremse und zur Aussteifung der Konstruktion, 15 mm
- Ständertragwerk aus Konstruktionsvollholz, 240 mm, mit 240 mm Zellulosedämmung in den Gefachen
- Außenbeplankung: Holzweichfaserdämmplatte, 35 mm
- Hinterlüftungsebene mit Holzlattung zur Fassadenbefestigung
- Flexible Fassadengestaltung


Variable Fassadengestaltung beim Holzrahmenbau
Beim Holzrahmenbau sind zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten der Außenfassade möglich. Die Konstruktionsform des Wandaufbaus erlaubt die freie Wahl der Fassadenart. Ein Haus in der Holzrahmenbauweise kann optisch mit einer Holzfassade seine Bauart unterstreichen, ebenso gut kann es eine Putz- oder Klinkerfassade besitzen.
Fassadenvarianten beim Holzrahmenbau
- Verputzte Fassade auf Putzträgerplatte
- Hinterlüftete Holzfassade / vertikale oder horizontale Holzverschalung, unbehandelt, vorvergraut, lasiert oder lackiert
- Klinkerfassade
- Fassadenplatten
- Kombination aus Holz- und Putzfassade
Diffusionsoffener Wandaufbau beim Holzrahmenbau
Ein diffusionsoffener Wandaufbau wird durch den Einsatz diffusionsoffener und hygroskopischer Baustoffe erreicht. Die verwendeten Naturmaterialien, wie beispielsweise Holzbaustoffe und Zellulose können die beim Wohnen anfallende Feuchtigkeit (Kochen, Duschen, Transpiration) aufnehmen und nach außen abgeben. Auf diese Weise kann die Feuchtigkeit aus dem Wandaufbau entweichen.
Ein kleiner Teil der Wohnfeuchte wird in den hygroskopischen Baustoffen gepuffert und in trockenen Wetterperioden wieder an die Raumluft abgegeben. Die Wanderung von Wohnfeuchtigkeit durch Wände nach außen wird als Wasserdampfdiffusion bezeichnet und ist ein natürlicher bauphysikalischer Prozess.
Eine diffusionsoffene Bauweise der Wand-, Decken- und Dachelemente unterstützt diesen Feuchteaustausch und schützt das Haus so effektiv vor Feuchteschäden und Schimmelbefall. Überdies wird dadurch über das ganze Jahr hinweg ein ausgeglichenes, gesundes Wohnraumklima erreicht. Trotz der Diffusionsoffenheit ist der Wandaufbau beim Holzrahmenbau absolut luftdicht.
Ein zur Veranschaulichung gern herangezogenes Beispiel sind atmungsaktive Funktionsjacken aus dem Outdoor-Sportbereich. Diese Jacken sind von außen vollständig wind- und regendicht – als schützende Barriere gegen äußere Einflüsse. Gleichzeitig transportieren sie dank wasserdampfdurchlässiger Membrane die Körperfeuchtigkeit von innen nach außen, damit Schweiß nicht an der Innenseite kondensiert. So kühlt der Körper nicht aus und es entsteht ein angenehm, trockenes Tragegefühl.
Luftdichte Gebäudehülle
Eine wind- und luftdichte Gebäudehülle ist heute Standard und durch das Gebäudeenergiegesetz gesetzlich vorgeschrieben. Die luftdichte Gebäudehülle sorgt beim Holzrahmenbau für einen hervorragenden Wärmeschutz, verhindert Zugluft und senkt spürbar den Energieverbrauch. Sie unterbindet den Verlust von Heizwärme sowie den Eintrag von Feuchtigkeit in die Konstruktionsebene. Dadurch werden Bauschäden durch Konvektion (Luftströmung) bzw. Kondensation langfristig verhindert.
Wärmebrückenfreie Anschlüsse, eine fachgerechte Ausführung aller Anschlussdetails sowie eine lückenlose Verklebung aller Übergänge zwischen Wand, Decke, Dach und Bodenplatte und an Fenstern und Türen gewährleisten eine durchgehend luftdichte Gebäudehülle. Die Dichtheit der Gebäudehülle wird durch einen Blower-Door-Test geprüft. Ein entsprechend konstruierter Wandaufbau schützt nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Überhitzung im Sommer.
Vorteile des Holzrahmenbaus
Der Holzrahmenbau bietet aufgrund seiner hohen Energieeffizienz, architektonischer Vielseitigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit zahlreiche Vorteile. Der hohe Vorfertigungsgrad beschleunigt die Bauphase, ermöglicht eine hohe Qualität und eine termingerechte Fertigstellung und macht den Gebäudebau somit sehr gut planbar.


Präzision durch digitale Planung und Fertigung
Der moderne Holzbau verbindet Handwerk und Hightech. Digitale Planungsprozesse wie CAD, CAM und BIM schließen nahtlos und vernetzt an CNC-gesteuerte Fertigungssysteme an. So erfolgt im Holzbauwerk eine direkte Übergabe der Konstruktionsdaten an die Fertigungsmaschinen. Diese automatisierten Fertigungsprozesse verkürzen die Herstellungszeit, steigern die Präzision und Fertigungsqualität, sparen Material und minimieren Fehler, Verschnitt und Abfallmengen.
Kurze Bauzeiten durch werkseitige Vorfertigung
Alle Wand-, Decken- und Dachelemente werden unabhängig von Witterungsverhältnissen im Werk vorgefertigt und als komplette und geschlossene Elemente inklusive Fenster und Dämmung auf die Baustelle geliefert. Dort werden sie innerhalb weniger Tage montiert, wodurch sich die Bauzeit auf der Baustelle extrem verkürzt. Ein regendicht geschlossener Rohbau steht in 2 bis 4 Tagen.
Ein früher und pünktlicher Einzugstermin mindert Doppelbelastungen durch zusätzliche Mietzahlungen. Zudem reduzieren kurze Montagezeiten und schnelle Baufortschritte die Einschränkungen für die Nachbarn eines Bauvorhabens deutlich.
Geringe Trocknungszeiten durch Vorfertigung
Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrads und der wettergeschützten Bauteilproduktion sind die Trocknungszeiten beim Holzrahmenbau deutlich kürzer als beim Massivbau. Dadurch können die Ausbauarbeiten direkt nach der Montage beginnen, was die Fertigstellung beschleunigt. Da kaum Baufeuchte entsteht, entfällt das sogenannte „Trockenwohnen“. Das Gebäude kann direkt nach der Fertigstellung bezogen werden.


Qualitätskontrolle durch hohe Vorfertigungstiefe
Die hohe Vorfertigungstiefe sowie die präzise Ausführung der einzelnen Schritte ermöglichen optimale Rahmenbedingungen zur Erzeugung hoher Qualitäten, da der Großteil der Produktionsabläufe in einer geregelten und überwachten Umgebung stattfindet.
Mehr Wohnfläche durch schlanke Wandquerschnitte
Durch die schlanken Wandaufbauten des Holzrahmenbaus ergeben sich Flächengewinne bei gleicher Gebäudegrundfläche – ohne Einbußen bei der Wärmedämmung. Da sich die Dämmung bereits in der Tragwerksebene des Hauses befindet, kann so im Vergleich zu herkömmlichen Massivbauten ein zusätzlicher Raumgewinn von 10 bis 15 Prozent erzielt werden. Bei einem klassischen Einfamilienhaus mit circa 150 Quadratmetern Wohnfläche erhält man also quasi ein Zimmer mehr.
Lange Lebensdauer von Holzrahmenbauten
Wie bei allen Bauarten entscheidet die Qualität der Bauausführung und die Hochwertigkeit der Baustoffe über die Langlebigkeit eines Gebäudes. Holzrahmenbauten profitieren von einer präzisen Fertigung, einer fachgerechten Ausführung und erstklassigen Baumaterialien.
Bei normaler Instandhaltung beträgt die Lebensdauer eines Holzbaus 100 Jahre und mehr, sodass ein generationsübergreifender Werterhalt der Immobilie sichergestellt ist. Holzrahmenbauten stehen konventionellen Bauten in Massivbauweise in nichts nach – Fachwerkbauten aus dem Mittelalter zeigen eindrucksvoll diese Langlebigkeit von Holzgebäuden.


Ausgezeichnete Dämmwerte und Energieeffizienz
Bei einem Holzrahmengebäude fungiert die gesamte Wand als Dämmung, da sie flächendeckend mit natürlichen Dämmstoffen gedämmt ist. Dies senkt in den kalten Jahreszeiten die Heiz- und Energiekosten und sorgt an heißen Tagen für einen sehr guten sommerlichen Hitzeschutz.
Klimaschützende, CO₂-neutrale Bauweise
Holz kann CO₂ speichern, ist nachwachsend und ersetzt energieintensive Baustoffe wie Beton oder Ziegel. Zur Herstellung wird nur ein Bruchteil der Energie benötigt, die für die Produktion konventioneller Baustoffe erforderlich ist. Ein Holzgebäude bindet über seine gesamte Lebensdauer den klimaschädlichen Kohlenstoffanteil von CO₂ und entzieht ihn damit langfristig der Atmosphäre. Auf diese Weise wird mehr CO₂ gebunden, als bei der Herstellung emittiert wird. Jedes Gebäude in Holzbauweise leistet somit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.
Nachhaltig und ökologisch
Die verwendeten ökologischen Baustoffe erfüllen hohe Nachhaltigkeitsstandards, schonen Umwelt und Klima und sind oftmals recycelbar oder stammen bereits aus einem Recyclingprozess, wie der Dämmstoff Zellulose, der aus sortenreinem Zeitungspapier hergestellt wird. Zusammen mit dem geringen Energieeinsatz während der Herstellung und Produktion führen diese Aspekte zu einer sehr guten ökologischen Gesamtbilanz von Holzbauten.
Angenehmes Raumklima und wohltuendes Wohngefühl
Der Baustoff Holz und diffusionsoffene Naturmaterialien schaffen ein behagliches Wohnklima und tragen zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen bei. Ein gesundes Raumklima fördert das Wohngefühl und das Wohlbefinden. Durch die natürliche Haptik, die warme Optik und durch den angenehmen Geruch von Holz entstehen Wohlfühlorte mit einer ausgezeichneten Aufenthaltsqualität.
Architektonische Gestaltungsfreiheit
Die Gebäudearchitektur, Grundrisse und Fassaden lassen sich flexibel planen und umsetzen. Der Holzrahmenbau bietet eine hohe Gestaltungsfreiheit und kann nahezu jeden individuellen Wohnwunsch erfüllen.
Flexible Konstruktionsweise
Häuser in Holzrahmenbauweise lassen sich jederzeit an veränderte Lebensumstände und Wohnwünsche anpassen. Da die meisten Innenwände nicht tragend sind, können Grundrisse problemlos verändert werden. Ebenso können Häuser mit der vergleichsweise leichten Holzbauweise fast immer aufgestockt oder durch einen Anbau erweitert werden, falls zusätzlicher Wohnraum benötigt wird.
Eigenleistungen beim Holzrahmenbau
Bauherren von Holzrahmenbauhäusern haben viele Möglichkeiten, Arbeiten in Eigenleistung zu übernehmen und somit Kosten einzusparen. Beim Holzrahmenbau können verschiedene Ausbaustufen und -standards variabel eingeplant werden.
Nachteile der Holzrahmenbauweise
Der moderne Holzrahmenbau ist eine hochentwickelte und vielfach erprobte Bauweise. Dennoch halten sich viele Vorurteile, die allerdings durch technische Entwicklungen seit langer Zeit überholt sind. Für die angeblichen Nachteile des Holzrahmenbaus wurden längst konstruktive Lösungen entwickelt.
Brandschutz beim Holzrahmenbau
Holzgebäude unterliegen den gleichen gesetzlichen Brandschutzbestimmungen wie Gebäude in Massivbauweise. Die Landesbauordnungen (LBO) der Bundesländer schreiben baustoffübergreifend ein einheitliches Niveau vor. Jeder Neubau muss die Landesbauvorschriften zum vorbeugenden baulichen Brandschutz und die geforderten Feuerwiderstandsklassen einhalten.
Dass auch Holzgebäude brennen, wird niemand leugnen. Holz brennt jedoch kontrolliert, da sich im Brandfall eine Kohleschicht um das Holz bildet. Diese schützt das Tragwerk, verlangsamt die Abbrandgeschwindigkeit und erhält die Stabilität über einen langen Zeitraum.
Überdies können tragende Bauteile zur zusätzlichen Erhöhung des Brandschutzes mit feuerhemmenden Materialien wie Gipsfaserplatten verkleidet werden. Im Mehrgeschossbau mit Holz kommen auch Kombinationen wie der Holzhybridbau zum Einsatz, wodurch besonders strenge Brandschutzauflagen erfüllt werden können, da beispielsweise ein Betonkern im Treppenhausbereich die Ausbreitung von Feuer noch weiter begrenzen kann.
Schallschutz beim Holzrahmenbau
Ein weit verbreitetes Vorurteil gegenüber Holzbauten betrifft den Schallschutz. Dieses wird oft durch Eindrücke aus skandinavischen Ferienhäusern oder Holzhäusern aus den 1960er- und 1970er-Jahren genährt.
Ähnlich wie beim Brandschutz müssen aber alle in Deutschland errichtete Neubauten identische Schallschutzanforderungen erfüllen. Ob Holzbau oder gemauerte Massivbau – die DIN 4109 „Schallschutz im Hochbau“ regelt die Sicherstellung des Schallschutzes.
Die mehrschaligen Wand- und Deckensysteme des Holzrahmenbaus übertreffen in Kombination mit schallabsorbierenden Dämmstoffen und speziellen Detaillösungen zur Vermeidung von Schallbrücken oftmals sogar diese Anforderungen. Erhöhte Schallschutzanforderungen lassen sich durch eine gezielte Entkopplung angrenzender Bauteile, eine Erhöhung der Plattendicken, zusätzlichen Beplankungen im Wandaufbau oder eine Ausstattung mit Massivholzdecken erreichen.
Lebensdauer und Wertbeständigkeit
Eng verbunden mit einer fachgerechten Planung und qualitativ hochwertigen Bauausführung sind die Aspekte Lebensdauer und Wertbeständigkeit. Das ist bei Holzbauten nicht anders als bei Massivbauten. Moderne Holzhäuser erreichen heute die gleiche Lebensdauer wie Massivbauten.
In der Regel geht man bei beiden Bauarten von einer Gesamtnutzungsdauer von 80 bis 100 Jahren aus. Bei richtiger Instandhaltung kann die technische und tatsächliche Lebensdauer diesen Zeitraum weit übertreffen. Banken stufen Holzhäuser, die von einem RAL-Gütezeichen-führenden Holzbauunternehmen gebaut werden, überwiegend als wertbeständige und zukunftssichere Investition ein.


Ursprünge des Holzrahmenbaus
Die Geschichte des Holzrahmenbaus beginnt Anfang des 19. Jahrhunderts in Nordamerika. Von der amerikanischen Bezeichnung Timberframe leitet sich der in Deutschland etablierte Begriff Holzrahmenbau ab. Zu dieser Zeit führten europäische Einwanderer die Techniken des Fachwerkbaus in Nordamerika ein und errichteten Gebäude, die wie beim Fachwerkbau ein tragendes Holzständerwerk als Gerüst und Basis besaßen. Die Hohlräume zwischen den Holzständern, die sogenannten Gefache, wurden dabei mit überlappenden Brettern geschlossen. Diese hatten bereits damals eine leicht aussteifende Funktion und trugen so zur Stabilisierung des Ständerwerks bei. Da Holz in den weitläufigen Wäldern Nordamerikas überall verfügbar war, verbreitete sich die einfache und schnell umsetzbare „Timberframe-Construction“.
Die schnelle Fertigstellung der Gebäude kam den Siedlern und Goldsuchern in den Zeiten des Goldrausches entgegen. Häufige Ortswechsel waren damals keine Seltenheit und es bestand ein hoher Bedarf an Wohnraum für die rund 32 Millionen Einwanderer aus Europa. Die Holzbauweise erlaubte jederzeit die Reparatur und den Austausch schadhafter Hölzer. Zudem konnten die Gebäude flexibel ab- und wieder aufgebaut sowie sogar über weite Strecken transportiert werden. Diese Bauweise hat in den USA Karriere gemacht und ist dort bis heute das vorherrschende Grundprinzip im Haus- und Wohnungsbau.
Von der Vorgeschichte des Holzrahmenbaus bis zur heutigen Bauweise war es jedoch noch ein weiter Weg. Einen wichtigen Entwicklungsschritt markiert dabei die Möglichkeit, großformatige Bauplatten aus Holz herzustellen. Im Übergang zum 20. Jahrhundert wurden Holzwerkstoffplatten entwickelt, die in den folgenden Jahrzehnten immer weiter verbessert wurden. Durch diese Plattenwerkstoffe aus Holz konnte einerseits massives Holz kostensenkend ersetzt werden, andererseits ermöglichten sie das Gewicht des Daches über die komplette Wand abzuleiten.
Beim ursprünglichen Fachwerkbau übernahmen die diagonal angeordneten Hölzer diese statische Aufgabe. Beim Holzrahmenbau wurde die „tragende Rolle“ der klassischen Fachwerkstreben durch Holzwerkstoffplatten ersetzt. Durch die sogenannte „aussteifende Beplankung“ näherte sich die Bauweise der heutigen Ausführungsform an.
Trotz aller Weiterentwicklungen führte der Holzbau im Wettbewerb mit den aufstrebenden Stahl- und Betonbauweisen aber eher ein Nischendasein. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten Fertighäuser in Holztafelbauweise während des Wirtschaftswunders einen regelrechten Boom. Die industriell gefertigten Fertighäuser zeichneten sich durch ihre schnelle Montage aus, wiesen jedoch aus heutiger Sicht viele Schwachstellen auf. Insbesondere Schadstoffbelastungen, Feuchteschäden, schlechte Wärme- und Schallschutzeigenschaften sowie andere baukonstruktive Mängel führten dazu, dass die Häuser in Misskredit gerieten. Viele der hartnäckigen Vorurteile und Vorbehalte gegenüber der modernen Holzrahmenbauweise haben ihren Ursprung in dieser Epoche.

Die Erfolgsgeschichte des modernen, handwerklichen Holzrahmenbaus begann in den 1980/1990er Jahren im Kontext des ökologischen Bauens. Im Gegensatz zu den frühen Fertighäusern der 1960er und 1970er Jahren, die oft mit chemischem Holzschutz belastet waren, setzten ökologische Holzrahmenbauten dieser Zeit verstärkt auf diffusionsoffene Konstruktionen, nachwachsende Dämmstoffe, konstruktive Holzschutzmaßnahmen und auf ein gesundes Raumklima. Durch einen stark verbesserten, diffusionsoffenen Wandaufbau sowie weiterentwickelte Bautechniken und Konstruktionsdetails entwickelte sich die Holzrahmenbauweise schließlich zum Wegbereiter des nachhaltigen Bauens von heute.
- Vgl. Horn, Gerrit (2025). Holzrahmenbau: Modernes Hausbau-System. 7. Auflage, Köln: RM Rudolf Müller Medien GmbH & Co. KG. oder https://www.bauenmitholz.de/holzrahmenbau-details-27072022#
- Vgl. Umweltbundesamt (Hrsg.) (2020): Potenziale von Bauen mit Holz. Erweiterung der Datengrundlage zur Verfügbarkeit von Holz als Baustoff zum Einsatz im Holzbau sowie vergleichende Ökobilanzierung von Häusern in Massiv und Holzbauweise. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/5750/publikationen/2020_10_29_texte_192_2020_potenziale_von_bauen_mit_holz_aktualisiert.pdf
- Vgl. Uebele, M.; Geis W. (2016). Deutsche Einwanderung in den USA im 19. Jahrhundert Lehren für die deutsche Einwanderungspolitik? Hrsg. v. Institut der deutschen Wirtschaft, Köln https://www.iwkoeln.de/fileadmin/publikationen/2016/280269/IW_PP_2016-7_Migration.pdf
- Vgl. Paulitsch, M.; Barbu, M. C. (2015). Holzwerkstoffe der Moderne. Leinfelden-Echterdingen: DRW-Verlag
- Einen tiefen Einblick in die Entwicklungsstränge des Holzbaus und des Holzhausbaus liefert die Publikation Rug, Wolfgang»100 Jahre Holzbauentwicklung«, In: BDZ: 100 Jahre Bund Deutscher Zimmermeister, Bruderverlag Karlsruhe 2003. Eine stark gekürzte Fassung findet sich unter: http://www.holzbau-statik.de/ibr/downloads/03_gesch/Holzbauband_2006_Inhalt_Rug.pdf